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Ich beginne beim Ende des letzten Blog-Eintrags und unserer Entscheidung, aus dem Bale Nationalpark zu fahren. Es war bereits 13 Uhr. Als Orientierung gaben wir den Ort Negele ein, hier war das nächste Hotel mit Übernachtungsmöglichkeit in der iOverlander App eingezeichnet – 185 km, Gravelroad. Wir verließen den Bale Nationalpark durch eine Schranke mit kleinem Rangerposten, gleich dahinter waren kleine Kinder, eins davon begann sofort Steine zu schmeissen. Das konnte ja gut beginnen. Die Straße wurde auch immer schlechter, ausgewaschen und einspurig. Gott sei Dank war nicht allzu viel Verkehr, bei Gegenverkehr gab es keine Ausweichmöglichkeit. Wir fuhren durch das erste Dorf nach dem Bale Nationalpark. Direkt in der Mitte war eine Speedbump, über die wir natürlich langsam fahren mussten. Kaum bremsten wir ab, kam plötzlich eine Horde von Männern zu unserem Auto angerannt und stiegen auf die Treppen unseres Fahrerhauses und lehnten sich direkt in unsere Fenster rein. Zuerst wurden wir auf Somali angeschrien, einer konnte dann gebrochenes Englisch in dem er uns verständlich machen wollte, dass er in unser Auto schauen wollte. Es war kein offizieller Polizist oder Militär anwesend. Also sagten wir erstmal No, warum denn? Es wurden immer mehr Männer um unser Auto, auch direkt davor, sodass wir am Weiterfahren gehindert wurden. Einige schlugen auch immer wieder auf unser Auto ein. Die Angst kam bei uns beiden hoch. In Mitten vom Niemandsland, was sollte das. Wir bestanden auf ein Nein und fuhren langsam los. Da gaben die Männer auf, aber ein extrem ungutes Gefühl blieb bei uns beiden. Trotzdem, wir mussten Strecke machen und wollten auf keinen Fall dort bleiben. Also ging es weiter, der Kilometerstand auf dem Navi veränderte sich kaum, da wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h unterwegs waren. Wir kamen ins nächste Dorf, hier stand auch schon an der Straße ein Mob von ca. 40 Männern, dieses Mal aber bewaffnet mit Kalaschnikows und Stöcken. Wieder wurde uns gewunken anzuhalten. Nach einigem Hin und Her wurde ein Mann herbei gerufen, der etwas Englisch konnte. Er klärte uns auf, dass derzeit ein Stammeskonflikt in der Region bestand. Da in den Dörfern weder Polizei noch Militär vorhanden ist, hat die Regierung den Dorfbewohnern erlaubt, eigenhändig jedes Fahrzeug zu durchsuchen. Aber mal ehrlich, was sollte sich denn bei uns hinten drinnen befinden? Dass wir Leute aus dem verfeindeten Gebiet schmuggeln? Waffen? Ein echter Blödsinn…. Wir einigten uns darauf, dass nur er, der englische sprechende Mann, bei uns hinten reinschauen durfte. Alle willigten ein und erstaunlicherweise blieben die anderen Männer auch draußen stehen. Nach dem Check durften wir weiterfahren. Weit kamen wir allerdings nicht, da nach ca. 150 Meter eine kleine Brücke über einen Fluss führte. Dahinter hatten wieder Dorfbewohner eine Schnur über die Straße gespannt. Wieder wurden wir angehalten, wieder Diskussion. Wir wollten auch niemanden mehr rein lassen, schließlich haben sie uns ja schon vor 150 Meter kontrolliert und auf den paar Metern kann sich ja wohl nicht so viel geändert haben. Dann fingen sie an und wollten Geld von uns. Auf dem Ohr sind wir aber ganz taub. Ich setzte meinen weiblichen Charme ein und mit eine bisschen Hände zusammen falten und Hundeblick nahm einer der Männer schließlich die Schnur von der Straße. Ich gab noch eine Kusshand obendrauf, dann ging es weiter. Bis nach 3 km das nächste Dorf kam. Um es etwas abzukürzen, in jedem Dorf saß ein Mob von Männern auf der Straße, bewaffnet mit Stöcken, Kalaschnikows oder Macheten, die unseren Unimog kontrollieren konnten. Meist war Englisch Fehlanzeige. Teilweise waren die Männer auch sehr rüde und schrieen uns an. Wir versuchten immer ruhig zu bleiben, respektvoll mit ihnen umzugehen und ihren Wünschen Folge zu leisten. Unsere Nerven lagen allerdings blank. Der Handy-Empfang war eigentlich Fehlanzeige, als ich gerade noch Internet reinbekam, meinte Harald schnell zu mir, schreib deinen Eltern wo wir lang fahren, damit jemand Bescheid weiß. Da lief es mir kalt den Rücken herunter. Wie ihr euch vorstellen könnt, kamen wir in einem Schneckentempo voran. jede 3-5 km kam wieder ein Dorf, und wenn es nur eine Ansammlung von Hütten waren, die uns anhielten. Die Zeit verstrich, die Straße wurde immer katastrophaler. Darauf achteten wir nicht mehr, wir versuchten trotzdem mit 50 oder 60 km/h durchzubrettern. Armer Unimog. Trotzdem, wir schafften es nicht mehr vor dem Dunkelwerden. Und in Afrika wird es schnell dunkel… und es wird richtig schwarz. Es gab auch keine Elektrizität in der Region. Wir fuhren in vollkommener Dunkelheit und sahen die blöden Schnüre, die über die Straße gespannt waren, immer erst in letzter Sekunde. Die Angst, die wir bereits im Hellen hatten wurde natürlich im Dunkel noch viel intensiver. Die Straße hörte auch immer wieder einfach auf, vor allem wenn ein Fluss kam. Dann wusste man, Mist, vor ein paar hundert Metern hat es wieder eine Umleitung gegeben, die dann immer direkt durch das Flussbett geführt hat. Aber finde die mal in vollkommener Dunkelheit! Wir kamen also kaum voran. Eine der schlimmsten Begegnungen war in einem Dorf, hier war keine Schnur gespannt also fuhren wir erstmal langsam durch. Bis wir plötzlich Gebrüll hörten und in den Seitenspiegeln plötzlich 50 Männer sahen, die schreiend hinter uns her liefen. Wir hielten lieber an. Als sie das Auto erreichten, schlugen sie auch direkt darauf ein. Im Dunkeln ist es wirklich ein Scheißgefühl, wenn man im Nirgendwo in Afrika von einem brüllenden Mob umringt wird, der noch nicht mal Englisch kann. Ein junger Typ kam schließlich an Haralds Fenster. Er konnte Englisch. Wir versuchten ihm klar zu machen, dass wir Angst haben und müde sind und einfach nur weiterfahren wollen. Wir versuchten ihnen unsere Reisepässe zu zeigen. Als er sah, dass wir Deutsche waren, durften wir weiterfahren. Der Mob hat allerdings unsere elektronische Hupe und ein Unimog Schild von der Kühlerhaube abgerissen – egal, Hauptsache wir sind unbeschadet dort raus. Nun ich will euch nicht mit noch mehr von den Kontrollen berichten, insgesamt waren es um die 40-50. Als wir schließlich um 23 Uhr die Abzweigung auf die gute Teerstraße erreichten, kamen mir doch die Tränen der Erleichterung in die Augen. Kurz vor Mitternacht haben wir die Pension erreicht, es machte uns sogar noch jemand auf. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert wir waren. Wir hatten auch seit morgens nichts mehr gegessen oder getrunken, wir wollten auf keinen Fall anhalten müssen wegen Pippipause. Am nächsten Tag nach einiger Bedenkzeit einigten Harald und ich uns darauf, einen 350 km langen Umweg in Kauf zu nehmen und zurück nach Awassa auf die Hauptstraße nach Moyale zu fahren. Über die anderen Straßen direkt nach Moyale hatten wir keine verlässliche Auskunft, sie sollten aber alle wieder graveled sein…. Ein weiteres Problem hatten wir noch, leider ging unser Bargeld zur Neige. Und leider ging keiner der zwei ATMs in dem Dorf Negele. Unsere Tanks waren leider auch schon eher leer als voll. Wir bissen in den sauren Apfel, bezahlten die Pension (übrigens vollkommen überteuert, hier wurden wir auch wieder richtig abgezockt) mit Dollar und pumpten unser restliches Bargeld in unsere Tanks. Und dann nichts wie weg aus dem Somali-Hochland und Negele!
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Eberhard Hewicker
August 3, 2018 at 15:06 Reply

Abenteuerlich!
Der arme Unimog tut mir leid.
Und Ihr zwei natürlich auch!
Papa Eberhard

Harry
August 7, 2018 at 11:23

Mittlerweile haben wir und der Unimog es zum Glück gut verdaut 🙂

stefan grimbs/dz bank
August 7, 2018 at 14:35 Reply

hi harald, klingt gruselig. hoffe ihr übersteht den trip ohne grösseren blessuren. hier in ffm ist ifrs9 hjabschluss. grüsse auch an deine partnerin. stefan grimbs

Harry
August 7, 2018 at 15:26

Hallo Stefan, Ja das war ziemlich aufregend. In Kenia hatten wir bisher keine Probleme und je weiter südlich wir kommen desto besser wird es aus unserer Erwartung werden. Wir geben uns weiter Mühe heil zurück zu kommen 🙂
Schön, dass du unsere Reise verfolgst. Viel Erfolg beim Halbjahresabschluss und viele Grüße aus Kenia, Anne & Harald

Richard
August 22, 2018 at 21:41 Reply

Good to meet you with johannes in Lake Garda

That sounds like a hectic ordeal. I enjoy reading your blog every now and again. Thank you.

Looking forward to having you here on the apple farm near Cape Town.

Harry
August 23, 2018 at 11:46

Hi Richard,
nice to hear from you again. It was really nice meeting you at Lake Garda. We are glad we crossed Ethiopia by now. Glad to hear you are following our blog. We are looking forward to seeing you again or your apple farm near Cape Town as well. We will reach out to you once we are closer.
Cheers,
Harry

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