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Ziemlich am Anfang unserer Reiseplanungen mussten wir uns schon der Frage stellen wie wir überhaupt mit unserem Unimog nach Ägypten kommen wollten, um dort unsere Reise beginnen zu können. Da durch den Syrien Konflikt der Landweg aktuell nicht in Frage kommt, war schnell klar, dass wir das Mittelmeer mit einem Schiff überqueren müssen. Leider waren wir nach der ersten Recherche sehr ernüchtert. Seit dem arabischen Frühling gibt es keine reguläre Fährverbindung zwischen Europa und Ägypten mehr. Also kam nur noch eine Verschiffung per Frachtschiff in Frage.

Bei der Verschiffung per Frachtschiff gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen gibt es Containerschiffe. Diese kommen für uns aber nicht in Frage, da der Unimog für einen Standard (ca. 2,40m hoch) oder auch High Cube (30cm höher als Standard) Container zu hoch ist. Alternativ könnte man auch auf einem Flat Rack, also nur einer Art Container Bodenplatte verschiffen, dies ist aber wohl so teuer, dass es sich nicht lohnt. Für uns kam demnach nur die Verschiffung per Ro-Ro (Roll On Roll Off) in Frage. Hierbei wird der Unimog wie bei einer Fähre über eine Rampe direkt auf das Schiff gefahren.

Ursprünglich wollten wir gerne mit dem Unimog zusammen reisen, um ihn immer im Blick zu haben und ihn möglichst auch selber auf das Schiff und wieder herunter fahren zu können. Nachdem es erst ganz gut aussah, wurde es am Ende leider durch die Reederei abgelehnt, da wir nicht gewerblich unterwegs waren.

Auf unserer Suche nach einer Verschiffungsmöglichkeit viel uns recht schnell auf, dass dies kein wirklich transparenter Markt ist. Man findet zwar ungefähr heraus welche Reedereien eine Verbindung anbieten, erfährt aber wenig bis gar nichts zu Preisen und Fahrplänen. Direkt an die Reedereien kann man sich auch nicht wenden, sondern man braucht einen Mittelsmann dafür. Nachdem wir einige Dienstleister angeschrieben aber nur wenig Resonanz erhalten haben, sind wir am Ende auf die Firma TSF Transport GmbH in Österreich gestoßen. Hier wurde uns sehr schnell und kompetent geantwortet und wir waren mit der Leistung sehr zufrieden. Auf Empfehlung hin haben wir die Verschiffung von Ravenna nach Alexandria geplant und gebucht.

Im Vorfeld haben wir dann bereits alle benötigten Unterlagen an TSF gesendet. Neben dem Fahrzeugschein und unseren Reisepässen mussten wir noch einen Agenten in Italien mit der Zollabwicklung bevollmächtigen. Da in unserem Fahrzeugschein die NATO-Kupplung als „militärisch“ eingetragen ist wurde die Reederei etwas nervös und verlangte eine Übersetzung der Ergänzungen in unserem deutschen Fahrzeugschein. Da man die kryptischen Abkürzungen noch nicht mal auf Deutsch versteht haben wir statt einer wortwörtlichen Übersetzung lieber ausführlicher beschrieben was das behandelt wird. Nachdem wir dann noch ein Foto geschickt haben, um nachzuweisen das unser Unimog rein äußerlich nichts mehr mit dem Militär zu tun hat wurden wir akzeptiert.

Der Marschbefehl zur Verladung kam relativ plötzlich. Als Abfahrtstermin war uns der 21. Mai avisiert worden und wir gingen naiv davon aus an diesem Tag den Unimog im Hafen abzugeben. Als uns am Dienstag, den 15. Mai in Venedig die Nachricht erreichte den Unimog am 17. Mai (Donnerstag) im Hafen von Ravenna abzuliefern waren wir sehr überrascht und mussten spontan unsere Pläne anpassen. Aber auch das war kein Problem und so waren wir am nächsten Tag schon in Ravenna, um den Unimog auf die Verschiffung vorzubereiten.

Wir hatten von vornherein alle von außen zugänglichen Staumöglichkeiten mit guten ABUS Schlössern gesichert. Zur Sicherheit haben wir noch die Kiste und Tonne vom Fahrerhaus Dach nach innen verlagert. Im Fahrerhaus haben wir das Radio ausgebaut und alles lose weggeschlossen. Den Durchgang vom Koffer zum Fahrerhaus haben wir mit einer OSB Platte und Metallwinkeln verschlossen. Glücklicherweise mussten wir nur den Schlüssel zum Fahrerhaus mit abgeben. Trotzdem bleibt natürlich ein ungutes Gefühl, wenn man das Fahrzeug so lange aus der Hand geben und aus den Augen lassen muss.

Im Hafen lief es dann relativ entspannt ab. Wir sind zum Agenten unter der angegebenen Adresse gefahren und haben es noch gerade so vor der Mittagspause geschafft die Zollformalitäten abzuwickeln. Die haben sich allerdings darauf beschränkt auf den Rückruf der Mitarbeiterin zu warten, die sich um den Zoll kümmert. Das Fahrzeug selbst hat niemand angeschaut. Dann wurden wir mit einer Wegbeschreibung zum Container Terminal geschickt. Zum Glück hatte ein anderer LKW Fahrer den gleichen Weg und hat uns gleich ins Schlepptau genommen.

Beim Container Terminal mussten wir dann in einem Büro noch ein paar Formalitäten klären und unsere Pässe gegen einen Besucherausweis tauschen. Nachdem wir vorschriftsmäßig unserer Warnwesten angelegt hatten ging es durch die Schranke auf das Gelände wo wir gleich von einem roten kleinen Auto abgeholt und zu unserem Parkplatz geleitet wurden. Dort haben wir dann den Unimog abgestellt, unsere Taschen mitgenommen und uns verabschiedet.

In der Zwischenzeit konnten wir die Route des Schiffes SPES über Marinetraffic verfolgen. Nach dem Auslaufen aus Ravenna ging es über Monfalcone und Kober direkt nach Alexandria. Dort kam das Schiff am 28. Mai an. Morgens sind wir als erstes zum Agenten in der Innenstadt gefahren, um dort die Entladegebühren zu bezahlen und die Transportdokumente (Bill of Ladung) abzuholen.

Da wir auf Grund mehrer Erfahrungsberichte bereits wussten, dass es so gut wie aussichtslos ist das Fahrzeug ohne Hilfe aus dem Hafen, durch den Zoll und auf die Straße zu bekommen, haben wir uns dazu entschieden auf die Unterstützung des Broker Consolidated Freight Services (CFS) zu nutzen. Der Service war mit 870€ zwar nicht günstig, aber ohne die Unterstützung hätten wir es auf keinen Fall geschafft.

Zusammen mit dem CFS Mitarbeiter Saleh sind wir kreuz und quer durch die Stadt gefahren, um den Unimog auf die Straße zu bekommen. Es musste unter anderem ein Stempel in den Pass gestempelt werden, eine Versicherung bei dem ägyptischen Automobil Club abgeschlossen werden und jede Menge Papiere im Hafen und beim Zoll ausgefüllt, abgestempelt und kopiert werden. Zwischenzeitlich ist sogar Saleh manchmal an den Behörden verzweifelt. Trotz aller Widrigkeiten haben wir den Unimog am 31. Mai nachmittags übernehmen können. Mitsamt ägyptischen Nummernschildern, ägyptischem Fahrzeugschein und den zwei vorgeschriebenen 6kg Pulver-Feuerlöschern.

Kosten Verschiffung Unimog U1300L (7,5 Tonnen, 6,5m lang):

  • TSF Transport GmbH: 2.527,07€
  • Signal Iduna Transportversicherung: 280,66€
  • Hafengebühren Alexandria: 111,25€ (2.314,81 EGP)
  • Consolidated Freight Services: 870,00€

Gesamtkosten: 3.788,98€

Insgesamt also ein teurer Spaß, zu dem es aber leider keine wirkliche Alternative gibt.

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Mirko Lange
Juli 23, 2018 at 01:17 Reply

Keine Alternative zum Verschiffen? Uns wurde der Weg über Israel empfohlen. Von Griechenland nach Israel fährt wöchentlich eine Fähre. Und der Grenzübergang Elad-Taba soll auch auf sein…
Hattet ihr andere Infos?

Harry
Juli 23, 2018 at 08:10

Hallo Mirko, den Weg über Israel haben wir auch angeschaut. Was uns davon abgehalten hat war die Aussage, dass es dann Probleme mit dem Sudan Visum bzw. der Einreise in den Sudan geben könnte. Bei der Route über Jordanien kommt dann noch das Problem mit dem Sinai hinzu wo momentan keine Fahrzeuge mit Allradantrieb erlaubt sind. Bei der Beantragung unseres Sudan Visums wurden wir auch gefragt, ob wir in Jordanien gewesen wären. Am Ende war es uns zu unsicher, da man sonst in Ägypten festhängt.
Viele Grüße
Harald

Tanja
August 27, 2018 at 06:48 Reply

Hallo Ihr,

wir folgen fleißig euren Posts und finden es immer super spannend. Echt ein einmaliges Abenteuer :).
Kurze Frage, wo habt ihr eigentlich das Visum für Äthiopien beantragt? In Kairo?

Weiterhin gut Fahrt!

Liebe Grüße
Tanja

Harry
August 27, 2018 at 08:11

Hallo Tanja,
schön, dass ihr unsere Reise verfolgt 🙂
Das Äthiopien Visum haben wir bei der äthiopischen Botschaft in Khartoum im Sudan beantragt. Ging problemlos am gleichen Tag innerhalb von 3-4 Stunden. Man sollte nur ca. ne halbe Stunde vor der Öffnung dort sein. Zumindest als wir dort waren haben relativ viele Flüchtlinge aus Eritrea ein Visum beantragt. Wenn man zu spät ist riskiert man an dem Tag nicht mehr dranzukommen. Gekostet hat das Visum 50 USD pro Person und war für 1 Monat mit einmaliger Einreise gültig.
Viele Grüße
Harry

André
Mai 4, 2019 at 10:18 Reply

Guten Tag,

wir benötigen ein Angebot für Verschiffung von folgendem Fahrzeug nach Ägypten.

Volkswagen Golf VII Kombi (geringfügige Abweichungen sind möglich)

Länge 4.258 mm
Breite ohne Spiegel 1.799 mm
Breite mit Spiegeln 2.027 mm
Höhe 1.452 mm
Leergewicht 1.240 kg

Vielen Dank

Harry
Mai 7, 2019 at 11:57

Hallo André,
das muss ein Missverständnis sein. Wir bieten keine Verschiffungen an, sondern haben nur unsere Erfahrungen mit der Verschiffung nach Ägypten beschrieben.
Viele Grüße
Harry

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