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Wir wollten in Äthiopien auch noch ins richtige Hochland und einen Nationalpark mitnehmen, nachdem wir aufgrund von Krankheit den Simien Nationalpark nicht besuchen konnten. Unsere Wahl fiel auf den Bale Mountains Nationalpark. Er lag auch super auf dem Weg Richtung Grenze. Außerdem sollte der Bale auch nicht so überlaufen sein wie die Simiens.

Wir planten unsere Route von Addis durch das große Rift Valley an den vulkanischen Seen vorbei mit einem Zwischenstopp am Langano See (einer der wenigen Seen, in denen man in Äthiopien bedenkenlos baden kann, da aufgrund der Sole die Billharziose nicht vorkommt) und schließlich hinauf in die Bale Mountains und anschließend über Negele eine Seitenroute zur Grenze. Man muss ja auch mal auf den Nebenstraßen und nicht immer nur auf der Hauptstraße fahren… Diese Einstellung würden wir noch bitter bereuen…

Allerdings erstmal von vorne. Also Start in Addis und erstmal konnten wir auf einen neu erbauten Highway, den ersten in Äthiopien fahren. Es war ein wahrer Luxus, 6 spuhrig, eingezäunt – d.h. es konnten keine Menschen oder Tiere auf die Fahrbahn!! – und ohne Schlaglöcher! Man hatte sogar mal kein schlechtes Gewissen, wenn man im Auto was getrunken oder gegessen hat, da man nicht von den Leuten an der Straße angestarrt werden konnte! Der neue Expressway hielt aber nur 50 km an. Dann ging es wieder ab auf die normalen Straßen – Schlaglöcher, Tiere, Menschen und Städte. Egal, wir kämpften uns durch und kamen schließlich am Langano See an – einer der Hauptausflugsziele bzw. Naherholungsgebiet für die Reichen auf Addis. Der Campingplatz bzw. mehr die Fläche zum Stehen war auch wirklich idyllisch. Wenn man erstmal die Zufahrt dorthin gemeistert hat, Überschwemmungen, Sandflächen, niedrige Bäume und natürlich Steine-schmeißende Kinder, war unser Stellplatz direkt am See und ganz alleine wirklich schön. Nach der Zeit in Äthiopien wird man ja auch bei den sanitären Anlagen flexibler, für 10$ pro Nacht gab es ein Plumpsklo mit Wellblech Außenrum und einen Wasserhahn der aus der Wand kam mit Seewasser (eher bräunliches Wasser) über einem Stehklo (man konnte hoffen, dass die braunen Spuren im Klo nur Mineralienablagerungen waren). Also eigentlich sind wir lieber in die Umgebung zum Notdurft verrichten gegangen – das gestaltete sich allerdings auch schwierig, weil immer irgendein Angestellter oder Security durch das Gelände geschlichen ist oder mal wieder die Kühe und Ziegen von dem Bauern nebenan ihren Weg über die Mauer gefunden haben. Die Ruhe am See entschädigte aber für die ganzen anderen Umstände. 🙂

Nach zwei Nächten ging es weiter, ab zum Bale Nationalpark. Unsere erste Nacht wollten wir an einem Wasserfall im Naturschutzgebiet verbringen, die Tour wurde auch groß auf der Nationalparkseite beschrieben und angepriesen. Endlich mal gute Informationen im Internet, dachten wir. Nun gut wir schoben uns also aus dem Rift Valley von ca. 1.200 Meter auf ca. 3.500 Meter hinauf nach Dinsho. Dort war das HQ des Nationalparks. Wir erzählten hier dem Ranger von unseren Übernachtungsplänen – erste Nacht Wasserfall, zweite Nacht Sanetti-Plateau Campsite, dritte Nacht Harenna Forest Campsite. Alles klar, kein Problem, wir bezahlten den Preis für drei Tage Eintritt und Campinggebühr. Da ich bei der iOverlander App gesehen hatte, dass der Campsite auf dem Sanetti-Plateau oft während der Regensaison geschlossen hat, fragte ich nochmal nach. Ja der wäre zu. Naja ich war dann etwas perplex warum ich Geld fürs Camping zahlen sollte, wenn der Campingplatz zu hat. Egal, dann wird man oben schon ein Plätzchen finden, schließlich ist es ja ein Nationalpark mit Eintrittsgate, dort sollten wir ja alleine sein. Ich fragte noch nach dem Weg zum Wasserfall – hier gab es auch einen Track bei Tracks for Africa. Achja – ne der Weg ist nicht befahrbar, es gäbe aber eine neue Straße zum Wasserfall, die geht irgendwo in Dinsho links von der Straße ab, so in etwa 1-1,5km. Ach vielen Dank für die Information. Wir also wieder losgefahren, zur Stadt, dort haben wir einen Landcruiser vom Frankfurter Zoo (der den Park mitfinanziert) gesehen. Gleich nach dem neuen Weg zum Wasserfall gefragt. Oh den kennen sie nicht, aber es wäre nicht recommended mit dem Auto zum Wasserfall zu fahren. So ein Mist… Selbst nach 2 mal Abfahren der Strecke haben wir die „neue“ Straße nicht gefunden.

Naja es war noch früh, also weiter direkt zum Sanetti-Plateau. Hier fuhren wir hoch auf 4.100 hm. Es war beeindruckend, wie die Landschaft sich veränderte, vom saftigen grünen Wald bis hin zur afroalpinen Zone. Fast oben angekommen, kam auch schon der Ranger-Post. Ab jetzt sollte es wohl menschen- und tierärmer werden, schließlich beginnt jetzt der Nationalpark. Ich war überrascht als ich nach 100 Metern nach der Zufahrt die erste Rinderherde inkl. Hirten sah. Und so ging es weiter, zwar nicht mehr so viele wie unten, aber trotzdem alle 1-2 km war wieder eine Rinder- oder Ziegenherde inkl. Hirten. Es ging eine Straße über das Plateau, die Straße wurde aber nicht nur von Touristen und Rangers genutzt, sondern war auch Durchfahrtsstraße für Busse und LKWs, die die eine Seite des Plateaus mit der anderen verband. Meine Hoffnung schwand, wenigstens hier mal alleine zu sein. Nun kam die Abzweigung zum Campsite, die eigentlich in der Regenzeit nicht befahren werden sollte. Da es aber sonst nur die Möglichkeit gegeben hätte, an der befahrenen Straße zu campen, sind wir einfach reingefahren. Da wird ja keiner sein, wenn das Camp geschlossen ist. Und wieder ein Trugschluss. Kaum angekommen am Camp saßen dort schon ein Mann und 3 Jungs. Zumindest wurden wir freundlich begrüßt, wir haben uns etwas weg von den Hütten gestellt und als sie merkten, dass ich nicht so amused über ihre Anwesenheit war, haben sie uns schnell in Ruhe gelassen. So konnten wir unsere erste Nacht auf 4.100 hm doch noch genießen. Selbst unsere Heizung hat noch funktioniert, das war auch bitter notwenig, es wurde nachts unter Null Grad. Aber die klare Luft und der weite Blick entschädigte für alles! Wir waren auch von unserem Unimog begeistert, zwar ließ die Kraft etwas nach, er rauchte auch heftig, aber er schaffte jeden Berg und jede Anstrengung!

Am nächsten Tag wollten wir unbedingt auf den höchsten Punkt Afrikas, den man mit dem Auto befahren kann, nämlich auf 4.377 Meter. Hier hatten auch einige laut iOverlander App gecampt, das wollten wir wegen der leider ausgefallenen Nacht am Wasserfall auch machen. Also nichts wie auf! Unterwegs sahen wir auch den seltenen äthiopischen Wolf, ein schönes Tier! Dann begann der Anstieg, es lief alles einwandfrei. Oben auf dem Gipfel sahen wir schon zwei große Funkantennen – na das sieht doch nach Internet aus – Super! Oben am Gipfel angekommen kam, wie sollte es in Äthiopien anders sein, sofort zwei Männer unter dem Funkturm hervor. Nun wir freundlich hello und ob wir hier für die Nacht bleiben könnten. Das einzige was von den zwei „netten“ Herren kam, war „No“. Vielen Dank auch, für was zahle ich eigentlich Campinggebühr…. Nach einigem Hin- und Her entschlossen wir uns, doch schon das Plateau zu verlassen und zu dem Campsite im Harenna Forest, dem letzten Hochland-Urwald in Afrika, zu fahren. Es war auf dem Plateau aufgrund der Hirten wirklich nicht möglich einen einsamen Platz zu finden. Naja, dann vielleicht im Wald. Nun wir verließen das Plateau, gerade hing ein Wolkenband am Massiv. Es sah so unwirklich aus, als wir durch die Wolken langsam nach unten gefahren sind – es war stark nebelig und es hat geregnet. Die Szenerie änderte sich auch mit jedem Kilometer, weg von der kargen afroalpinen Landschaft hin zu einem satten Regenwald, wie man ihn sich vorstellt, mit riesigen Bäumen, Lianen und vielen Affen. Es war beeindruckend. Laut Navi näherten wir uns auch langsam der Abzweigung zum nächsten Campingplatz. Wir hatten schon gelesen, dass er wohl schwer zu finden ist. Als wir genau davor stehen sollten, bin ich lieber mal ausgestiegen. Eigentlich gab es nur eine riesige Matschpfütze und dahinter war ein Trampelpfad in den Wald. Nachdem ich mich über Steine hüpfend zu dem Pfad vorgearbeitet hatte, war meine Frage nur, wo soll dieser Weg eigentlich hinführen? Und wie zum Teufel soll man hier mit einem Auto, geschweige denn mit einem Truck durchkommen? So ein Mist, also Kommando zurück. Es war mittlerweile 1 Uhr mittags. Nach kurzer Beratschlagung beschlossen wir weiter zu fahren und uns unterwegs irgendein Hotel zu suchen, bis jetzt war in den Städten immer irgendwas. Frei stehen konnten wir knicken, von der Straße war kein durchkommen nach rechts oder links, alles dichter Urwald. Was uns diese Entscheidung bringen sollte, das konnten wir noch nicht ahnen, es sollte aber die schlimmste Fahrt unseres Lebens werden.

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