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Wir haben uns natürlich bei unseren Besuch in Uganda für das Gorilla Tracking entschieden. Schließlich ist dort einer der wenigen Plätze auf der Welt, um diese wunderschönen vom Aussterben bedrohten Tiere zu beobachten. Insgesamt gibt es nur noch ca. 700 der Berggorillas. Diese können, im Gegensatz zu den Flachlandgorillas, nicht in Gefangenschaft gehalten werden. Sie gehen ein. Daher sind die im Zoo gehaltenen Gorillas keine Berggorillas.

Wir hatten Permits für den Nukuringo Sector. Erst am Tag des Trackings haben wir herausgefunden, dass es in diesem Sektor mittlerweile 3 habituierte (an Menschen gewöhnte) Gruppen gibt. Die Habituierung dauert bei den Berggorillas zwischen 2-3 Jahren, bei Schimpansen um die 6-8. Wir hatten schon im Vorfeld etwas über den Sektor recherchiert, er galt als am schwierigsten zu erwandern und nur für die körperlich fittesten Touristen geeignet. Oha dachten wir da, das kann ja was werden 😬 Also extra am Tag vorher kein Bier getrunken (obwohl eins haben wir uns dann doch gegönnt 😉) und am nächsten Tag die guten Wanderschuhe und Wanderstöcke eingepackt. Denn es gibt eigentlich keinen richtigen Weg, man geht teilweise querfeldein durch den Dschungel mit Dornen, Feuerameisen, matschigen, rutschigem Untergrund und und und. Und die Tage vor unserem Termin hat es auch fürchterlich geregnet, so heftige Gewitter mit solche einem starken Regen habe ich noch nie erlebt. Also ein Hoch auf den Matsch! 😄

Nun gut an unserem Tag ging es schon früh los, 7:30 Treffpunkt am Ranger Post Nukuringo. Die Touristen wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Wir wurden der X-Mas Gruppe zugewiesen. Eine Gruppe aus 8 erwachsenen Gorillas und den Silverback X-Mas. Man konnte sich vorher noch einen Porter organisieren, der einem den Rucksack abnahm, über steile stellen half, also eigentlich der Schutzengel auf der Tour. Wir nahmen uns einen für 15$, Fred. Er war super happy. Denn es gibt dort so viele Porter, dass jeder nur einmal im Monat seinen Tag hat, an dem er ausgesucht werden kann. Fred kam aus der Nähe von unserem Camp, war also schon morgens 2 Stunden zum Ranger Post gelaufen. Papa von zwei Kindern, wie er uns ganz stolz erzählte. Die Porter müssen aber trotzdem jeden Tag zum Ranger Post kommen und dort putzen etc. Dafür erhalten sie aber keinen Lohn, nur die Aussicht darauf, einmal im Monat ausgesucht zu werden. Also Fred schnappte sich direkt unseren Rucksack. In unserer Gruppe waren noch 4 Damen aus Barcelona (3 etwas älter, um die 60) und ein Pärchen aus Mexiko. Nach langem hin und her entschieden sich die spanischen Damen doch für einen Porter. Wie glücklich sie am Ende sein sollten, dass sie zwei mitgenommen hatten! 😄 Wir waren auch schon Dorfgespräch, unser Ranger Joshua hatte schon gehört, dass welche mit einem großen Truck im Bwindi Backpackers Lodge stehen, aber nicht nur er, eher alle Leute dort! 😄

Der Nukuringo Sektor ist so anstrengend, da man erstmal einen Berg herunter muss (ca. 800 hm) auf steilen matschigen Pfaden, dann über einen Fluss und schließlich ist man erst im Bwindi und muss dann nochmal die Berge hoch, um die Gorillas zu finden. Tja uns zurück kann man sich ja vorstellen, wieder über den Fluss und 800 hm steil nach oben. Los ging’s. Runter war noch alles super, bei jeder Stelle die etwas rutschig wurde, nahm Fred mich direkt bei der Hand. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. 😉 Aufgrund des starkem Regens in den vorherigen Tagen führte der Fluss extrem viel Wasser. Selbst mit auf Steine treten reichte das Wasser bis zur Hälfte der Wade. Also in Schuhen war keine Option. Da sag ich nur wieder ein Hoch auf die Porter, die haben nämlich alle Gummistiefel an. Und einer aus unserer Gruppe hat seine ausgezogen und stand in Strümpfen im Matsch aber so konnten alle trockenen Fußes auf die andere Seite. Ich hab mich lieber für die Barfuß Variante entschieden. In so Gummistiefeln schwitzt man ja schon viel 😉😉

Nachdem wir dieses Hindernis überwunden hatten ging es los richtig in den Urwald. Wahnsinn die Umgebung. Nach ca. 1,5 Stunden hörten wir bereits die Rufe der Tracker, die schon früh am morgen los sind, um die Gorillas zu orten. Denn Gorillas bewegen sich pro Tag nur ca. 1 km. Also sind sie meistens nicht allzu weit von ihrem Platz vom Vortag entfernt. Schließlich ging alles ganz schnell, wie ließen unseren Rucksack bei Fred und wurden nahe an die Gorillas geführt. Als erstes sah ich direkt ein Weibchen mit ihrem Baby auf dem Boden sitzen. Sie beäugte uns etwas kritisch und machte ein paar Geräusche. Es raschelte und plötzlich kam der Silberrücken aus dem Gebüsch. Er kam gerade auf unsere Gruppe zu und beäugte uns auch. Er stand nur noch ca. 4 Meter entfernt. Natürlich wichen wir alle etwas zurück, aber unser Ranger sagte nur, bleibt wo ihr seid. Rückwärts gehen heißt Schwäche zeigen. Also hintern zusammen pressen und diesem Riesen beobachten. Denn der Silberrücken ist wirklich riesig, allein die Hände waren bestimmt 5 mal so groß wie meine. Nun erstmal stand er dort und beobachtete uns, so wie wir ihn beobachtet haben. Faire Sache also. Plötzlich setzte er sich aber in Bewegung und hieb mit seiner Faust nur 1,5 Meter vor mir in den Boden und schrie bedrohlich. Dabei sah er mich die ganze Zeit an, ich stand nämlich rechts außen von der Gruppe und dort lief er hin. Also ich hab mir fast in die Hose gemacht, blieb aber tapfer stehen (auch weil de Ranger mich von hinten fest hielt 😉). Dann ging X-Mas gemächlich weiter in den Wald. Als bald folgte auch seine Lieblingsdame, auch sie blieb wieder 1,5 Meter direkt vor mir stehen und musterte mich. Was für eine Begrüßung! Die eine Stunde, die man bei den Gorillas verbringen kann, geht leider viel zu schnell vorbei! Was aber schön zu sehen ist, wie entspannt die Tiere sind, auch wenn Menschen um sie herum sind. X-Mas hat sich schließlich auf den Rücken gelegt, Hand über die Augen und ist tief eingeschlafen, ein bisschen geschnarcht und wohl feste geträumt (er zuckte ein bisschen). Wir sahen aus der 8 köpfige Gruppe noch 2 weitere Weibchen und insgesamt 3 Junge. Ein toller Besuch. Aber genießt die Fotos einfach selber 😉

Dann ging es wieder auf den Rückweg. Der letzte Berg war schon wirklich herausfordernd. Und hier begann die richtige Arbeit der Porters. Jeder von ihnen hatte einer der Spanierinnen an der Hand und zog diese den Berg hoch. Sie konnten immer nur so ca. 50-100 Meter gehen, dann wurde wieder Pause gemacht. Einer von den Jungs hat sogar Blätter so zusammengelegt, dass sie als Ventilator genutzt werden konnten und fächelte der Dame immer zu. 😄 Wir sahen allerdings langsam das Gewitter nahen und hatten nicht allzu viel Lust lange darin zu laufen. Also sputeten wir uns etwas, wurden aber trotzdem total erwischt. That’s part of the experience! Da es so geregnet hatte, haben wir Fred angeboten, dass er ein Stück auf dem Beifahrersitz mitfahren kann. Oh er war so stolz als er in den Unimog einsteigen konnte und hat nochmal allen anderen Portern aus dem Auto zugewinkt, Harry hat auch extra noch gehupt. Das war Freds Highlight des Tages! Und natürlich, dass er sein monatliches Gehalt von 15$ (natürlich gabs von uns noch ordentlich Trinkgeld 😉) bekommen hatte.

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Ralph
September 18, 2018 at 09:50 Reply

Wow kann man da nur sagen. Wenn ein Gorilla so auf einen zukommt dann ist der weglauf Reflex vermutlich nur schwer zu unterdrücken 😃
Super spannend geschrieben 👍

Harry
September 18, 2018 at 10:00

Moin Ralph,
vielen Dank. Freut uns, dass dir der Artikel gefällt.
Liebe Grüße
Anne & Harald

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