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Nach den Tagen im Bwindi National Park mussten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Norden machen, um zur tansanischen Grenze zu kommen. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen dazu entschlossen nicht nach Ruanda zu fahren. Zum einen hätten wir für das East Africa Visum für Kenia, Uganda und Ruanda die kenianische Botschaft in Addis Abeba aufsuchen müssen, da dieses Visum in Kenia leider immer noch nicht online beantragt werden kann. Lässt man Ruanda aus kommt man mit dem Kenia und Uganda Visum für jeweils 50$ auf den gleichen Preis wie das East Africa Visum. Zudem haben wir von anderen Overlandern unterwegs gehört, dass Ruanda ähnlich wie Äthiopien sehr dicht besiedelt ist was es in Verbindung mit recht wenigen Campingplätzen schwieriger zum Bereisen macht.

Für unsere letzten Kilometer durch Uganda haben wir zwei Etappen bis nach Masaka eingeplant. Von dort aus konnten wir in einer knappen Stunde die tansanische Grenze in Mutukula erreichen. Als Zwischenstopp haben wir die Uganda Lodge in Ruhanga ausgewählt. Da die erste Strecke sehr eng, kurvenreich und zudem noch in nicht ganz so gutem Zustand war, sind wir wie gewohnt zeitig gegen halb 8 losgefahren.

Auf dieser Strecke hat es uns dann auch erwischt. Wir hatten unseren ersten Unfall in Afrika. Auf der engen Straße kam uns ein Auto entgegen und ich bin so weit wie möglich nach links ausgewichen. Leider bin ich etwas zu früh wieder in Richtung Mitte der Straße gefahren und habe mit Teilen unserer Treppe an seinem hinteren Kotflügel erwischt. Es knirschte laut und wir dachten nur „Mist! Was machen wir jetzt?“. Nach einmal kurz durchatmen haben wir den Motor ausgemacht und sind ausgestiegen. Zu allem Überfluss kam auch noch ein LKW vorbei wo noch einmal rund 10 Leute ausstiegen, um sich das Ganze anzuschauen. Der Fahrer des anderen Wagens stand schon daneben und begutachtete den Schaden an seinem Fahrzeug. Welche der Kratzer und Dellen nun genau von uns stammten war zwar nicht mehr festzustellen, aber irgendwas musste ja von uns kommen. Nach etwas herumdrucksen meinte der Fahrer dann er würde wohl etwas Farbe drüber machen. Da wusste ich schon, dass als nächstes der Preis für das bisschen Farbe aufgerufen wird den wir zu bezahlen haben. Wir machten uns schon auf das schlimmste gefasst. Ganz leise und zögerlich meinte er dann zu mir: „10.000 will be enough.“. Das konnte ich kaum glauben, denn 10.000 Uganda Schilling sind gerade mal 2,24 Euro. Da haben wir natürlich schnell eingeschlagen und bezahlt. Für unseren 50.000 Schilling Schein haben wir sogar noch das korrekte Wechselgeld bekommen. Dann haben alle noch einmal gelacht, wir haben uns entschuldigt und dann sind alle wieder losgefahren. Wir waren sehr froh, dass alles so entspannt und problemlos über die Bühne ging. Auch die vielen Zuschauer waren sehr entspannt und wollte nur schauen was los war 🙂

Auf diesen Schreck bin ich dann noch vorsichtiger weitergefahren. Unterwegs haben wir in einem Dorf dann noch den einen Halter für unseren Abwassertank schweißen lassen. Dieser war wohl auf dem Hinweg zum Bwindi gebrochen und wir haben ihn im Backpackers Camp ausgebaut und durch einen Spanngurt ersetzt. Das Schweißen hat uns gut 1 Euro gekostet, was mit den hohen Stromkosten begründet wurde. Zusätzlich haben wir am Straßenrand noch ein Brett gekauft, um unseren abgerissenen Hängeschrank wieder festzuschrauben. Auch ein Schaden der schlechten Straßen zum Bwindi. Das Brett kostete zwar auch 2,24 Euro, aber nachdem wir gesehen hatten wie anstrengend die Bretter per Hand aus den Baumstämmen gesägt werden, haben wir den Preis akzeptiert.

Am frühen Nachmittag sind wir dann bei der Uganda Lodge in Ruhanga angekommen. Dabei handelt es sich um ein Hilfsprojekt des Uganders Denis. Er hat 2007 angefangen und einen Kindergarten für 10 Kinder gegründet. Mittlerweile werden in dem Kindergarten und der angeschlossenen Grundschule 550 Kinder von 15 Lehrern betreut. Dort helfen immer wieder auch Volunteers für begrenzte Zeiträume aus. Als wir ankamen wurden wir gleich von den britischen und amerikanischen Volunteers begrüßt und konnten hinten im Garten campen. Für den Nachmittag hatten die Volunteers eine Besichtigung des öffentlichen Krankenhauses in Itojo geplant und haben uns gefragt, ob wir nicht mitkommen wollten. Das nahmen wir natürlich gerne an.

Im Krankenhaus sind wir dann von einer Krankenschwester herumgeführt worden und uns wurden die verschiedenen Abteilungen erklärt. Über die Entbindungsstation, die getrennten Frauen- und Männer-Stationen bis hin zur Kinderstation wurden wir überall herumgeführt. Auf den Stationen selber standen jeweils ca. 30-40 Betten in einem großen Raum. Ohne Abtrennungen zwischen den Betten lagen verschiedene Patienten darin, teilweise von ihren Angehörigen umringt. Uns war das ganze relativ unangenehm. Die Patienten sahen das ganz anders. Sie schauten sehr interessiert zu uns rüber, lächelten und winkten teilweise. Am besten war es aber bei der Besichtigung der privaten Krankenzimmer. Die kann man gegen Zuzahlung ebenfalls bekommen. Unsere Gastgeber von der Lodge kannten wohl einen der Patienten und besuchten ihn in seinem Zimmer. Wir warteten aus Respekt draußen auf dem Flur, wurden dann aber aus dem Nachbarzimmer angesprochen warum wir nicht zu Ihnen hereinkämen und sie anschauten. Sie hätten auch etwas zu trinken für uns. Als wir das Angebot höflich ablehnten waren sie sichtlich enttäuscht. Zum Abschluss haben wir dann noch die Notaufnahme besucht, wo gerade ein junger Mann mit einer Art Splitter im Gesicht behandelt wurde. Auch hier wurden wir gleich hinter den Vorhang eingeladen und der Arzt hat groß erklärt, was er gerade tut. Der Besuch und die Möglichkeit sich so ein Krankenhaus mal von innen anzuschauen ohne Patient dort zu sein hat uns sehr gut gefallen. Nach dem Besuch sind wir allerdings doch noch etwas vorsichtiger gefahren, um dort ganz sicher nicht eingeliefert zu werden 😉

Vor dem Abendessen haben wir noch eine Führung durch die benachbarte Schule bekommen. Da gerade Ferien waren, war nur ein kleiner Teil der Schüler anwesend. Der Großteil der Schüler wohnt nicht in der Nähe, sondern wohnt im Internat direkt auf dem Schulgelände. Da der Unterricht von Montag bis Samstag und dabei auch fast den ganzen Tag geht, kommt kaum Langeweile bei den Kindern auf. Der Sonntag kann dann zum Wäsche waschen oder weiteren Lernen genutzt werden. Die Verpflegung hörte sich auch nicht gerade verlockend an. Morgens gibt es Porridge, was hier aber nur aus Wasser und Mehl besteht, wobei der Wasseranteil aber wohl überwiegt. Wer etwas mehr Geld von zu Hause hat kauft sich wohl noch privat Zucker, um zumindest etwas Geschmack am Essen zu haben. Als die Kinder unsere Geschichte gehört und dann noch unseren Unimog gesehen hatten, kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr raus und konnten sich schwer vorstellen, dass wir für so lange Zeit nur im Auto leben und von unserer Familie getrennt sind. Da haben sie erstmal die Hände über den Kopf zusammengeschlagen.

In der Uganda Lodge haben wir uns dann auch mit zum gemeinsamen Abendessen angemeldet. Es wurde von den Einheimisch groß aufgekocht. Einer der Söhne eines Angestellten hatte zudem noch Geburtstag. Daher gab es nach dem Essen sogar noch eine Torte. Bevor diese jedoch gegessen wurde, musste der nun 10-jährige noch eine Rede halten. Also stand er auf, bedankte sich sehr höflich bei allen für ihr Erscheinen und bei seinem Vater für die Torte, die er zum Geburtstag bekommen hatte. Anschließend haben auch seine beiden jüngeren Geschwister noch ein paar Worte an die Gäste gerichtet. Nach dem Essen wurde dann noch ans Lagerfeuer eingeladen. Das wurde in einem halb offenen Gebäude auf dem Boden gemacht. Während wir dort noch unser Bier genossen, trugen auf einmal ein paar Einheimische große Lautsprecher herein und verkabelten Verstärker und Laptop damit. Kurz darauf ging auch schon die African Disco los. Am Anfang waren alle noch etwas zurückhaltend, aber nach ein paar Bierchen kam die Party in Schwung und die Tanzfläche füllte sich mit Einheimischen und Volunteers. Ein Highlight er auch der einheimische Security Guard, der mit AK-47 und Speer bewaffnet draußen vor der Tür ebenfalls im Takt mit wippte. Der Besitzer Denis (geschätzt um die 70) war mittendrin dabei und sorgte mit der ein oder anderen Runde aufs Haus dafür, dass wir erst weit nach Mitternacht ins Bett kamen. Das Aufstehen am nächsten Morgen viel uns dementsprechend schwer.

Zum Glück hatten wir aber nur eine relativ kurze Strecke bis nach Masaka zu fahren. Hier hatte Anne die Villa Katwe als schöne Unterkunft identifiziert. Wir waren uns zwar nicht ganz sicher, ob wir mit dem Unimog dort herein passten, aber die Bilder sahen ganz gut aus. Die Lage des Bed & Breakfasts ist sehr nett auf einem Hügel innerhalb der Stadt. Zwar haben wir uns auf dem Weg einmal kurz verfahren, aber dann standen wir doch vor dem offenen Tor, durch das wir zum Glück gut hindurch passten. Auch der Baum neben dem Eingang war gerade eben so hoch genug um darunter hindurch zu kommen und so standen wir auf einem sehr schönen schattigen Platz neben dem Haus. Als erste Amtshandlung haben wir dann unseren mittlerweile doch recht großen Berg an Schmutzwäsche in mehreren Schüsseln hintereinander per Hand gewaschen. Einen Teil hatten wir schon auf der Fahrt von der Uganda Lodge bis nach Masaka in unserem Wäschefass mit Wasser und Waschmittel auf dem Dach. Das hat zwar auch ganz gut funktioniert, kann aber eine richtige Maschinenwäsche nicht ersetzen. Die ist leider unterwegs recht selten zu bekommen. Auch wenn nicht alle Flecken raus gingen, so rochen die Kleidungsstücke anschließend wenigstens wieder besser 🙂

Neben der Wäsche haben wir uns noch um den Unimog gekümmert. Zum einen haben wir die mittlerweile geschweißte Halterung des Abwassertanks wieder eingebaut und auch unseren Hängeschrank mit den Bretterstücken wieder an der Wand fixiert. Dazu hat uns Robin, die nette niederländische Besitzerin der Villa Katwe, uns sofort ein Motorad Taxi organisiert, welcher dann für uns die passenden Schrauben im Ort besorgt hat. Sehr schnell, unkompliziert und günstig. Besonders hervorzuheben war noch das Frühstück. Das war auch im Camping Preis inklusive und war eines der besten Frühstücke, die wir bisher auf der Reise hatten. Es gab frische Früchte mit Müsli und Joghurt, frisch gepressten Fruchtsaft und Brot mit Marmelade. Als wir Sonntags dann auch wieder relativ zeitig gegen halb acht los wollten, kam der Angestellte sogar extra früher, um uns das Frühstück noch frisch vorzubereiten. Einfach super!

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